Luxemburgische Aussprache
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Die Aussprache des Luxemburgischen basiert auf der deutschen, bei den Vokalen und Diphthongen gibt es aber einige Unterschiede.
Zu Wörtern aus dem Französischen komme ich am Schluss.
VOKALEN / VOKALE
- É und Ë werden wie ein kurzes E oder Ä ausgesprochen. Davon ausgenommen ist EEË, was sich wie das deutsche Wort "Ehe" anhört (wenn man das H nicht ausspricht) und ËEE, was sich wie das EE in "geebnet" anhört. In diesen Fällen schreibt man das Trema jedoch nur, damit nicht drei E hintereinander stehen.
- II entspricht dem deutschen IE, ist also ein langes I.
- Ein langes O oder OO ist im Allgemeinen offen wie das englische AW in "saw".
- Ein Vokal wird nur dann kurz ausgesprochen, wenn er vor mehreren Konsonanten steht. Die einzigen Ausnahmen bilden häufig gebrauchte Wörter wie den (bestimmter Artikel), mat ("mit") oder net ("nicht").
- Dehnungs-H und langes Ö kommen nur in einigen deutschen Lehnwörtern vor.
- Das deutsche Ü wird im Lux. zu É, das kurze Ö zu Ë.
DIPHTONGEN / DIPHTHONGE
- AI, AU und EI sind wie im Deutschen.
- ÉI wird wie das englische AY in "pay" ausgesprochen.
- ÄI ist fast genauso, aber einem halblangem Ä, also eher ÄJ als EJ.
- OU entspricht nicht ganz dem englischen O in "no". Es ist vielmehr ein langes geschlossenes O (wie in "hohl") gefolgt von einem kurzen U (wie in "Mutter").
- OI ist ein langes offenes O gefolgt von einem J, also länger als das deutsche EU. Dieser Laut kommt nur in wenigen Wörtern vor.
- Das deutsche EU wird im Lux. zu EI, ÄU zu AI.
RËTSCHLAUTER / "REIBELAUTE"
- ÄE/ÄER/ÄR ist ein Ä gefolgt von einem kurzen A, als würde man das deutsche Wort "Bär" mit einem gut hörbaren A am Schluss aussprechen.
- IE/IER/IR ist ein langes I gefolgt von einem kurzen A, als würde man das deutsche Wort "Bier" mit einem gut hörbaren A am Schluss aussprechen.
- UE/UER/UR ist ein offenes U gefolgt von einem kurzen A, als würde man das deutsche Wort "Schnur" mit einem gut hörbaren A am Schluss aussprechen.
KONSONANTEN
- C wird in Wörtern aus dem Französischen vor E, I und Y wie ein ß ausgesprochen.
- Ein CH wie in "ich" wird im Lux. meistens wie ein SCH ausgesprochen, manche sprechen es aber auch wie im Deutschen aus.
- Der Artikel d' wird meines Wissens nach immer als T ausgesprochen.
- G wird am Wortende ("Lëtzebuerg") wie CH ausgesprochen, vor EG, EN, ER und ESCH ("Lëtzebuergesch") jedoch wie ein deutsches J. Vor E oder I kann es auch wie ein französisches J ausgesprochen werden ("Regierung").
- J wird oft wie ein französisches J ausgesprochen, also wie im Wort Journalismus. In der alten lux. Rechtschreibung wurde dieser Laut JH geschrieben.
- QU wird wie im Englischen ausgesprochen.
- SS wird nach kurzem Vokal manchmal stimmhaft ausgesprochen, also wie das S in "summen". Ein ß gibt es im Lux. nicht.
- W wird am Wortende oder vor einem anderen Konsonanten immer wie ein F ausgesprochen. Ansonsten (z.B. in "schwätzen") wird das W manchmal wie im Englischen ausgesprochen.
FRANSÉISCHE WIERDER / FRANZÖSISCHE WÖRTER
In einem Rechtschreibkurs für luxemburgische Kinder heißt es:
Mir si jo nët eleng op der Welt, ee Gléck, dofir huele mir aus anere Sprooche Wierder an eis Sprooch op.
Esou hu mir si mat Franséisch, Däitsch, Englesch a Griichesch beräichert.
Verhonze wëlle mir se awer och net: e Gefängnis ass nach ëmmer e Prisong an d'Feierwier sinn nach ëmmer d'Pompjeeën.
Das heißt:
Wir sind ja nicht allein auf der Welt, ein Glück, dafür übernehmen wir aus anderen Sprachen Wörter in unsere Sprache.
So haben wir sie mit Französisch, Deutsch, Englisch und Griechisch bereichert.
Verunstalten wollen wir sie aber auch nicht: ein Gefängnis ist noch immer ein "Prisong" (frz. prison) und die Feuerwehr sind immer noch die "Pompjeeëen" (frz. pompiers).
Es gibt Wörter, die in ihrer Schreibweise unverändert bleiben, Wörter mit französischem Stamm und Wörter, denen man ihre Herkunft nicht mehr ansieht:
- Barrière, Ministère, Concours, Courage, Trottoir (meist mit lothringer Aussprache, d.h. mit Betonung auf der drittletzten Silbe)
- Timber, Ensembel, Décisioun, enquêtéieren, Réunioun, résuméieren, Députéierten (mit französischen Nasalen und französischem U, d.h. "Députéierten" wird praktisch "Depütejjerten" ausgesprochen)
- Jilli, Jelli, Fotell, Wallis, Keess, zerwéieren, Schantjen (mit luxemburgischer Aussprache und französischem J)
Und jetzt wird's verrückt: Den Plural bilden diese Wörter nämlich mit EN:
Trottoiren, Employéen (männlich), Employéeëen (weiblich), Clienten (männlich), Clienteën (weiblich), Camionen
[trottoir = Bürgersteig, employé(e) = Angestellte(r), client(e) = Kunde/-in, camion = Lkw]
Bei zusammen gesetzten Wörtern, die ein französisches stummes E am Schluss tragen, wird dieses Ë geschrieben:
Chancëgläichheet (=Chancengleichheit), Assurancëwiesen (=Versicherungswesen)
Alles verstanden? Es kommt noch dicker: Französische Wörter, die es auch im Deutschen gibt, werden (fast) deutsch geschrieben:
Affär, Aktioun, Aktionär, Büro, Realitéit, Fassad, Sekretär
Und zum Schluss noch ein paar Besonderheiten des Luxemburgischen:
- Deutsch ist nicht die einzige Sprache, in der Substantive groß geschrieben werden, im Lux. macht man das auch.
- Ein N (oder zwei) am Ende eines Worts wird weggelassen, wenn danach nicht D, H, N, T, Z, ein Vokal oder ein Satzzeichen kommt. Beispiele:
- Mir sinn doheem. (Wir sind zu Hause)
- Si si gär doheem. (Sie sind gerne zu Hause)
- Neen, ech ginn dohin. (Nein, ich gehe dahin)
- Dohi gi si gär. (Dahin gehen sie gerne)
- Si lafen a spillen och. (Sie laufen und spielen auch)
- Mir wësse vill, si wëssen näischt. (Wir wissen viel, sie wissen nichts)
- Mir spillen haut, si spille mar. (Wir spielen heute, sie spielen morgen)
- Manchmal wird zwischen zwei Wörtern ein einzelnes S eingeführt, was es übrigens auch im Bayerischen gibt:
- Wann s du mech frees... (Wenn du mich fragst)
- so mir wéini s du gees... (sag mir, wohin du gehst)
- ob s du wëlls... (ob du willst)
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